2015

10. Bundeskongress Öffentliche Infrastruktur 2015


Foto: BS/Dombrowsky

Foto: BS/Dombrowsky

Heute den Unterbau für morgen legen
Digitales Bauen, Fahrradstraßen und ÖPP-Offensive

Was muss heute getan werden, um die Basis für eine Infrastruktur zu legen, die künftigen Ansprüchen gerecht wird? Infrastruktur heißt “Struktur darunter”, d. h. die Grundlage von allem, der Unterbau. Der 10. Bundeskongress Öffentliche Infrastruktur des Behörden Spiegel bot auf sehr konzentrierte und Grenzen überschreitende Weise Gelegenheit, diese Herausforderung mit Vertretern von Politik, Verwaltung, Kommunen, Bauunternehmen, Geldinstituten, Ingenieuren und Beratern zu diskutieren.

Neben den vielen Themen aus Hoch- und Tiefbau prägten vor allem drei Infrastrukturtrends die Veranstaltung: der Flüchtlingszustrom, die effiziente Mobilisierung zusätzlicher Investitionsmittel für Infrastrukturen und das zügige Durchdringen aller öffentlichen Bereiche durch IT.

Es ging munter, aber auch bunter zu auf dem Kongress. Der große Strauß aus Hochbau-, Verkehrs-, Finanzierungs- und Digitalisierungsthemen lockte 170 Teilnehmer an, neben dem Öffentlichen Dienst in diesem Jahr auch viele Vertreter des mittelständischen Baugewerbes, Gewerkschafter, Ingenieure und Architekten. Die Präsenz eines Landesrechnungshofes belebte die kontroverse Diskussion.

Ob Brückenbau, Auftragsverwaltung bei den Fernstraßen oder Finanzierungsfragen: Die Meinungen um die richtigen Modelle, Instrumente und wirkliche Nachhaltigkeit gingen mitunter klar auseinander. Weiterhin gilt es, ein stärkeres Bewusstsein für die hohen Folgeund Nutzungskosten im Vergleich zu den Bau- und Anschaffungskosten von Infrastrukturen zu schaffen.

Während sich das Bundesfinanzministerium klarer denn je zu den Vorteilen Öffentlich Privater Partnerschaften bekannte (intensivere Planungsphase, langfristig Effizienzvorteile), betonen vor allem Vertreter von Architekten- und Ingenieurkammern den Nutzen der klassischen Aufteilung zwischen Planen und Bauen. Bruno Kahl, Hauptabteilungsleiter im BMF, nahm die Gelegenheit wahr, die aktuelle ÖPP-Offensive seines Ministeriums zu erläutern.

“Jedes Bundesland hat seinen Berliner Flughafen”, sagte ein Diskussionsteilnehmer. Ausdruck der vielen Handlungsnotwendigkeiten, um Großbauprojekte künftig besser – sprich termingerechter und kostengünstiger – umzusetzen. Die öffentliche Konzentration auf einzelne außer Kontrolle geratene Projekte täuscht indes darüber hinweg, dass die meisten Baumaßnahmen in Bund, Ländern und Kommunen erfolgreich verlaufen, wie Bundesverkehrsstaatssekretär Rainer Bomba zur Eröffnung der Veranstaltung unterstrich.

Zeit zum Ausruhen bleibt nicht. So ist das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur durch die “Großprojekte-Kommission” und den mittlerweile vorgelegten ersten Entwurf für eine Bundesfernstraßengesellschaft intensiv mit der managerialen Verbesserung von Bauabläufen befasst. Zugleich arbeiten viele Branchenverbände in der Initiative “planen-bauen 4.0” am digitalen Durchbruch im Baubereich. Die ersten Pilotstrecken für den Testbetrieb “autonomes Fahren”, d. h. ohne Steuerung durch den Fahrer, sind in Bayern bereits ausgewiesen. Auch Nordrhein-Westfalen hätte gern eine solche Probeautobahn, erklärte NRW-Verkehrsminister Michael Groschek dem Fachpublikum. Zugleich sprach er von ÖPP à la NRW.

Als Bauminister muss sich Groschek aber auch um die Flüchtlingskrise und den sozialen Wohnungsbau kümmern. Er plant eine Wiederauflage des Programms “Neue Heimat” und will dabei die Mobilitätswende gleich mit umsetzen: Mehr Freiräume statt Parkplätze, moderne Regionalzüge, Radschnellstraßen und noch viel mehr Pedelecs, um Staus zu vermindern und “die eigentliche E-Mobilität” weiter zu fördern und Lebensqualität zu erhöhen. Alles natürlich IT-gesteuert.

Auch wenn Fahrradstraßen weniger als Autobahnen kosten, braucht es auch künftig effiziente Instrumente, um schnell und gut planen, bauen und finanzieren zu können. Private Kapitalgeber aus dem Umfeld von Versicherungen und Pensionsfonds investieren bislang kaum in deutsche Infrastrukturen. Der Kongress verdeutlichte, dass nicht nur Bürger, sondern auch potenzielle (institutionelle) Investoren fehlende Transparenz bemängeln: Wer trägt das Risiko? Wenn auch hiesige Projekte von internationalem Kapital und Know-how profitieren wollten, müssen sie mit anderen vergleichbar sein.


Vorträge

Hauptprogramm

  • Die neuen Ansätze sind da – Finanzierung von Infrastrukturprojekten, Mathias Oberndörfer, Bereichsvorstand Öffentlicher Sektor , KPMG
  • Standardisiert und innovativ – Bauen im und für das digitale Zeitalter, Prof. Dr. Matthias Sundermeier, TU Berlin
  • Alles nichts ohne Licht! Smarte Beleuchtung für effiziente Gebäude, Artur Grösbrink, OSRAM Opto Semiconductors GmbH

Forum I – Integriertes Bauen und Betreiben
Mit IT und Energiemodulen öffentliche Gebäude zukunftsfest machen

  • Jürgen Hain, Geschäftsführer b.i.g facilitymanagement GmbH & co. kg: „Kostenfallen vermeiden: der Facility-Mananger als Integrator von Bauplanung und Nutzungsanforderungen“
  • Remus Grolle-Hüging, Geschäftsführer, agn Architekten Ingenieure Planer: „Sanierung oder Neubau? Die Lebenszykluskosten als Entscheidungshilfe“
  • Dr. Ulrich Keilmann, Leiter Überörtliche Prüfung Kommunale Körperschaften, Hessischer Rechnungshof: „Schlaglichter öffentlichen Bauens – aktuelle Prüfungserkenntnisse“

Forum II – Finanzierungsmodelle für öffentliche Infrastruktur
Modellvielfalt und Niedrigzinsen machen (fast) alles möglich

  • Stefan Becker, Bundesverband Öffentlicher Banken (VÖB); Abteilungsdirektor im Bereich Fördergeschäft/ Public & Corporate Finance: „Kommunen entdecken den Kapitalmarkt – Trends zur Verbreiterung der Finanzierungsbasis“
  • Axel Papendieck, Kundenbetreuer KfW-Infrastrukturfinanzierung Berlin: „KfW-Förderprogramme für Kommunen: Basisfinanzierung, Energieeffizienz, Demografie“
  • Prof. Dr. Gunnar Schwarting, Deutsche Universität für Verwaltungswissenschaften Speyer, Geschäftsführer Städtetag RLP a.D., Kämmerer a.D.

Forums IV – Gute Geld, schlechte Brücken
Tragfähigkeit durch ÖPP und schnelle Technik? in Kooperation mit der Bundesingenieurkammer

  • Dr. Wulf-Holger Arndt, Deutsches Institut für Urbanistik (Difu): „Zustand und Sanierungsbedarf von Straßenbrücken- Ergebnisse einer Studie zur Abschätzung des Ersatzbedarfes von Straßenbrücken in kommunaler Baulastträgerschaft“
  • Bernd Rothe, Deutsche Einheits-Fernstraßenplanungs- und -bau GmbH (DEGES): „Öffentlich Private Partnerschaften – Erfahrungen aus der Praxis“
  • Karl Wiebel, Abteilungsleiter Straßen- und Brückenbau, Oberste Baubehörde im Bayerischen Staatsministerium des Innern, für Bau und Verkehr: „Brücken in Bayern-Erhaltung, Ertüchtigung, Erneuerung“

Forum V – Effiziente Großprojektfinanzierung
Der Dammbruch kommt erst noch

Forum VII – Komplexität erfolgreich ausschreiben
Infrastruktur vergaberechtlich im Griff

Forum VIII – Innovative Breitband-Kooperationen 
Betreibermodelle erschließen langfristig die Fläche in Kooperation mit der PSPC Infrastrukturberatung

  • Corinna Hilbig, Geschäftsführerin PSPC Infrastrukturberatung
  • Rolf Roth, Bürgermeister Samtgemeinde Elbmarsch und Uwe Luhmann, Samtgemeinde Elbmarsch: „Glasfaser Samtgemeinde Elbmarsch – selbstgemacht-„
  • Dr. Henrik Bremer, BHVSM Bremer Heller Rechtsanwälte Partnerschaft mbH: „Von FttC zu FttB: Der Weg zur nächsten Ausbaustufe“
  • Nico Schleicher, Bereichsleiter des Eigenbetrieb Breitband Eichenzell: „Glasfaserausbau in der Gemeinde Eichenzell“
  • Uwe Krabbe, Inhaber LAN Consult Hamburg

Forum X – Bau- und Flächenplanung braucht Bestandsaufnahme
Infrastruktur effizient erfassen und richtig einschätzen

  • Jürgen Besler, Geschäftsführer infrest-Infrastruktur eStraße GmbH: „Webbasierte, smarte Genehmigungen und intelligente Baustellenkoordinierung“

Forum XI – Digitale Infrastruktur schützen und optimieren
Sichere und effiziente Kooperationen bei der IT-Vernetzung

  • Thomas Coenen, Geschäftsführer Zweckverband Kommunale Datenzentrale Westfalen Süd: „SIT- Ein gemeinsamer RZ-Betrieb in Südwestfalen“ und Frank Albrecht, Technischer Leiter Citkomm: „SIT- Ein gemeinsamer RZ-Betrieb in Südwestfalen – RZ-Migration Iserlohn-Siegen“
  • Niclas Mühlenstädt, Goldbeck Public Partner GmbH
  • Knud Brandis, Vorsitzender Persicon AG: „Effizienter und effektiver Ansatz im Sicherheitsmanagement anhand eines praktischen Beispiels bei der Versatel“