Mehr interne Transparenz für kommunale Bauprojekte

Wie kann die öffentliche Hand künftig effizienter bauen? Diese Frage stand im Mittelpunkt der „Großprojekte-Kommission“, die in den letzten zwei Jahren Fachleute zusammenbrachte und mittlerweile einen Endbericht vorgelegt hat. Die Kommunen vertrat in dem Gremium Hilmar von Lojewski. Mit dem Dezernatleiter des Deutschen Städtetags sprach Behörden Spiegel-Redakteur Julian Einhaus über die Zukunft des öffentlichen Bauwesens.

Behörden Spiegel: Building Information Modeling (BIM) ist in aller Munde. Liegt die Zukunft des Bauwesens in der dritten, vierten oder gar fünften Dimension?

Lojewskivon Lojewski: BIM ist ein Hilfsmittel, aber keine Verheißung. Auch in Zukunft muss nicht jedes öffentliche Bauprojekt mittels BIM geplant werden. Wichtig ist es, die Botschaft dieses Instruments festzuhalten: Wir wollen die Schnittstellen bei Baumaßnahmen genauer feststellen, mögliche Komplikationen im Voraus erkennen und schneller als bislang lösen. Ziel ist es letztlich, die Kostenrisiken zu minimieren, indem ein Projekt genau durchgeplant werden kann, bevor die Finanzmittel überhaupt vergeben sind und die Bauausführung begonnen hat. Um die Komplexität großer Bauprojekte zu entzerren, müssen in Zukunft mehr Zeit und Mittel in die Planungsphase fließen.

Behörden Spiegel: Würden Sie Ihren Mitgliedsstädten empfehlen, Bauprojekte künftig im Rahmen von BIM auszuschreiben?

von Lojewski: Wir würden unseren Städten nicht unbedingt dazu raten, denn BIM ist nur ein Beitrag zur Kostensenkung oder -sicherung. Es erzeugt vor allen Daten, die gepflegt werden müssen. Wir empfehlen weiterhin klassische Planungsinstrumente wie Raumbücher – die können ebenfalls digital laufen, kommen aber ohne komplexe 3D Daten und digitale Schnittstellen aller an der Planung und am Bau Beteiligter aus.

Behörden Spiegel: Was braucht es, damit der öffentliche Bau effizienter läuft?

von Lojewski: Wir müssen es schaffen, das Bauwesen anstatt auf ein Nachtrags- und Abwehrwesen wieder auf sich selbst zu konzentrieren. Es gilt, Verantwortlichkeiten zuzuordnen, Änderungen zu minimieren, Baukostenschätzungen realistisch abzugeben und somit das Vertrauen der Öffentlichkeit und der Politik zurück zu gewinnen.

Behörden Spiegel: Reicht ein kultureller Wandel?

von Lojewski: Nein, ein kultureller Wandel im Sinne des allseitigen Bemühens um mehr gegenseitiges Vertrauen und das Prinzip der Fairness allein genügen nicht. Der springenden Punkt liegt im Vergabe- und Haushaltsrecht. Regulatorische Änderungen scheinen uns hier machbar zu sein. Dafür lohnt es sich mitunter über den Tellerrand in unsere Nachbarländer oder in den angelsächsischen Raum zu schauen.

Behörden Spiegel: Braucht es ein stärkeres Risiko-Management?

von Lojewski: Vollkommen unbestritten! Auch das ist aber ein erheblicher Aufwand, an den sich alle Beteiligten erst einmal gewöhnen müssen. Ich halte das vor allem bei größeren und komplexeren Bauvorhaben, die in den meisten Kommunen eher selten vorkommen, für notwendig. Es geht nicht um Kitas oder Schulen, sondern um Unikate, für die entsprechende Verwaltungsregelungen einzuführen sind. Hier müssen die Unwägbarkeiten konkret kalkuliert und deutlich werden, wie sich die Risiken im Laufe des Planungs- und Baufortschritts reduzieren: Je weiter der Baufortschritt, desto geringer die verbleibenden Risiken. Das sollte auch gegenüber der Öffentlichkeit kommuniziert werden.

Behörden Spiegel: Inwiefern können Risiken haushalterisch einbezogen und über den Lebenszyklus
einbezogen werden?

von Lojewski: Ein Einpreisen von Baukosten-Indices ist heute bereits möglich. Man könnte die Risiken auch “mitführen” und deren Entwicklung im jährlichen Haushalt abbilden. Ein solches Vorgehen ist aus meiner Sicht aber nicht ratsam: Bauunternehmen hätten dadurch einen Wert, den sie im Vergabeverfahren und danach ebenfalls einkalkulieren könnten. Wer von vornherein öffentlich sagt, dass ein Projekt um einen konkreten Prozentsatz teurer werden kann, muss sich nicht wundern, wenn die private Seite mitrechnet – und dieser Fall schließlich eintritt. Das Gebot der Fairness würde hier schnell außer Kraft gesetzt.

Behörden Spiegel: Also in diesem Fall einmal keine Transparenz?

von Lojewski: Es bedarf im Grunde einer begleitenden Kommission im Haushalts-, Bau- oder sogar Hauptausschuss von Gemeindevertretung oder Stadtrat. Ein solches Gremium muss konkret Bescheid wissen. Die genauen Zahlen sollten aber nicht komplett offen gelegt werden – Stichwort: interne Transparenz. Nach Abschluss von Planungs- und Bauphase sollten die Zahlen letztlich offen gelegt werden. Aber auch diese Maßnahme verhindert nicht unbedingt, dass während der Bauphase Nachtragsexperten der beauftragten Firmen ans Rathaus klopfen und Schwierigkeiten ausmachen, die eigentlich nicht existieren.