2014

9. Bundeskongress Öffentliche Infrastruktur 2014
Vernetzt und kooperativ für nachhaltige Investitionen


Foto: BS/Dombrowsky

Foto: BS/Dombrowsky

Langfristig und kooperativ denken
Infrastrukturbewirtschaftung braucht Vernetzung und Kooperation

Mehr als 200 Experten, Praktiker und Entscheidungsträger vor allem aus Kommunen, Bund und Ländern lockte der 9. Bundeskongress Öffentliche Infrastruktur Mitte Oktober nach Berlin. Zum dritten Mal in der Bundeshauptstadt und 2014 erstmals unter neuem Namen ist es gelungen, die Veranstaltung mit neuem Gesicht zu präsentieren, ohne bewährte Themen zu lassen. Öffentlich Private Partnerschaften bleiben wichtig, andere Kooperationsformen werden vielfältiger. Im Mittelpunkt des Kongresses standen die effizientere Bewirtschaftung kommunaler Hochbauten, das Ineinandergreifen von IT und Gebäude-Lebenszyklus, etwa durch digitale Datenmodellierung und mehr private Finanzierung öffentlicher Verkehrsprojekte.

Der enorme Investitionsbedarf in öffentliche Infrastruktur ist immer stärker ins Blickfeld gerückt. Investitionsstau, Flüchtlingsstrom, Haushaltskonsolidierung und Energiewende tragen das ihre dazu bei. Nicht mehr nur Bauverwaltungen, auch Politik und Öffentlichkeit sind gezwungen, sich mit diesem Thema zu befassen. Und zwar langfristig. Auf dem Infrastrukturkongress zeigte sich, dass beides zusammengeht: nachhaltiges Bewirtschaften von Gebäuden und Verkehrswegen und solide Haushaltsführung.

Positiv-Beispiele sind vorhanden: “Warum nicht das nehmen, was wir in den letzten zehn Jahren erprobt haben?”, fragt Dr. Andreas Iding, Chef der Goldbeck Public Partner GmbH, der zusammen mit vielen Kommunen erfolgreich Schulen, Sporthallen und Gerätehäuser für Feuerwehren baut und betreibt. Auf gute Organisation kommt es an! Das zeigt auch die Arbeit der mittlerweile allgemein geachteten Bundesverkehrsinfrastrukturgesellschaft des Bundes, die die Mautmittel in die Bundesfernstraßen investiert. Über die Grenzen klassischer Finanzierung wagt man sich auf einem Teilstück der A7 zwischen Hamburg und Schleswig-Holstein. Bodo Baumbach, Geschäftsführer Deutsche Einheit Fernstraßenplanungs- und -bau GmbH (DEGES), stellte das erste deutsche ÖPP-Projekt unter Beteiligung institutioneller Kapitalgeber vor.

Bürgermeister Thorsten Krüger aus der niedersächsischen Stadt Langen forderte einen Kraftakt: “Warum nicht jetzt die öffentliche Beleuchtung komplett erneuern?” Damit wäre ein großer Schritt im Klimaschutz getan. Die Investitionen könnten sich innerhalb weniger Jahre amortisierten, unterstrich Artur Grösbrink von Osram.

Straßenlaternen können heute zugleich Tankstellen für E-Fahrzeuge sein. Das verbildlicht den Trend zur immer dichteren Verknüpfung städtischer Versorgungsstrukturen. Gebäude und Verkehr brauchen sicher funktionierende IT-Netze – und ausreichend Bandbreite! Ohne Glasfaserausbau und Rechen- und Datenzentren keine intelligente Städte. Dafür kann auf das Know-how privater Unternehmen nicht verzichtet werden.

Auch die digitale Gebäudedatenmodellierung (BIM) stellt auf Interdisziplinarität ab. In der öffentlichen Verwaltung hierzulande bisher kaum bekannt, hilft das Instrument vor allem im Ausland der Bauindustrie und ihren öffentlichen Auftraggebern, organisatorische und planerische Bruchstellen zu überbrücken – und Großprojekte termin- und kostengerecht zu realisieren. Vorbild ist die Automobilbranche.

Um die künftigen Herausforderungen bewältigen zu können, ist eines klar: Infrastruktur darf sich nicht in einer Beschaffungsvariante erschöpfen. Neben konventionellen Ausschreibungen sind individuelle Lösungen gefragt. Das können Inhouse-Vergaben in Form öffentlich-öffentlicher Kooperationen und interkommunaler Zusammenarbeit oder Öffentlich Privater Partnerschaften sein. So ist auch die Ankündigung von Baustaatssekretär Gunther Adler zu begrüßen, dass sich der Bund stärker im Hochbau engagieren will.

Anregende Beispiele in Sachen innovativer Nutzungs- und Betriebsphasen bei Gebäuden und IT lieferte auch die Verleihung des Innovationspreises PPP 2014.

Insgesamt verdeutlichtet der 9. Bundeskongress Öffentliche Infrastruktur: Es sind viele kleine Stellschrauben, an denen gedreht werden kann, um Investitionsstau abzubauen.

Vor allem aber: IT hat ihre eigene Infrastruktur, sie durchdringt zugleich alle anderen öffentlichen Bereiche.


Vorträge

Hauptprogramm

  • Mehr Licht, weniger Strom – Was gute Beleuchtung bedeutet Artur Grösbrink, OSRAM Opto Semiconductors
  • Besser steuern und versteuern – Kooperationsmodelle für die Energiewende Solveig Wickinger, Steuerberaterin, Trinavis GmbH & Co. KG

Forum I Den Erfolg im Lebenszyklus messen – Zwischenevaluationen als Basis aktiver Infrastrukturbewirtschaftung

Forum II Dienstleistungs- und Datenzentren – Interkommunale Zusammenarbeit als Basis für Öffentlich-Private Partnerschaften in Kooperation mit ÖPP Deutschland AG – Partnerschaften Deutschland

Forum III Wirtschaftlichkeitsuntersuchungen im kommunalen Hochbau – Analyse von Instandhaltungs-, Sanierungs- und Neubaumaßnahmen nach dem NKF

Forums IV Energieversorgung innovativ gestalten – Öffentliche Gebäude als Säule der Energiewende

  • Thorsten Krüger, Bürgermeister Stadt Langen: „100% LED“
  • Björn Brecht, Leiter Zentrale Gebäudetechnik, Kieback&Peter GmbH & Co. KG
  • Christian Wantia, Organisations- und Technologieentwickler, Gemeinde Westoverledingen und Stadt Schortens: „Kommunales Energiemanagement: zielführende Projektgestaltung“

Forum V Breitband auch durch Feld, Wald und Kommunen – Mit dem richtigen Modell zum Highspeed-Internet

Forum VI Intelligente Städte – smarte Kooperationen – Das Internet der Dinge vernetzt städtische Infrastruktur

Forum VII Mustervertrag für Inhabermodelle im Hochbau – Wie Kommunen ohne ÖPP-Erfahrung Zeit und Kosten sparen in Kooperation mit ÖPP Deutschland AG – Partnerschaften Deutschland

  • Bernward Kulle, Vorstandsmitglied, ÖPP-Deutschland AG – Partnerschaften Deutschland
  • Ashok Sridharan, Erster Beigeordneter und Kämmerer, Stadt Königswinter

Forum VIII Privates Kapital in die Infrastruktur – Fonds, Anleihen, Versicheungen und mehr

  • Thilo Rose, Meridiam infrastructure, Paris
  • Bodo Baumbach, Geschäftsführer Deutsche Einheit Fernstraßenplanungs- und -bau GmbH (DEGES)